Am Steg
Rouvard Lautenschmied

Die Nacht ist stockfinster und kalt,
einsam gehe ich durch den Wald,
kein Licht leuchtet mir den Weg,
so schleiche ich zu unserem Steg.

Dort waren wir uns einst begegnet,
dort gabst Du mir den ersten Kuss,
dort hat es damals geregnet,
dort machtest Du mit mir Schluss!

Stumm blicke ich auf’s Gewässer,
in der Hand das scharfe Messer,
mit ihm raubte ich ich Dir Dein Leben,
niemand wird mir dies vergeben.

Ich lege die Klinge an meinem Hals,
schmecke auf den Lippen das Tränensalz,
Wind kommt auf und zersaust mein Haar,
ja, wir beide waren das schönste Paar.

Vom Himmel zucken grelle Blitze herab,
beleuchten für Sekunden Dein nasses Grab,
tief unter mir liegst Du unter Steinen,
und ich, ich muss noch mehr weinen.

Mein Schluchzen hört allein nur der Wind,
denn wir erwarteten ein Kind,
doch dieses Geschenk war nicht von mir,
denn ich trank zu oft starkes Bier.

Niemals hatten sich unsere Körper vereint,
„Küssen reicht!“ hattest Du stets gemeint,
Überhaupt, Du liebtest alle Männer,
Du warst ein echter Kenner!

Doch niemals mehr wirst Du mich betrügen,
oder mich mit Deiner ernsten Miene belügen,
mein Messer taucht nun ins Wasser ein,
noch immer höre ich Dein Todesschrein!

Vorbei ist vorbei, du bist tot,
stumm steige ich in unser Boot,
ich verlasse das Dorf noch heute Nacht,
sonst werd‘ ich womöglich auch umgebracht!

Sind wir Ork tatsächlich so roh?
Ihr Menschen seid doch auch oft so!