Der Morgen
Rouvard Lautenschmied

Es schien ein schöner Tag zu werden. Die ersten Singvögel an diesem herrlichen Morgen gaben ihr schönstes Lied zum Besten und begrüßten auf diese Weise die aufgehende Sonne. Sanft streichelten ihre ersten Strahlen über sein Gesicht. Das warme, helle Licht tauchte sein schlafendes Antlitz in eine angenehme Farbe. Weitere Vögel stimmten in das fröhliche Lied der anderen singenden Piepmätze ein. Es versprach wirklich ein besonderer Sommertag zu werden. Noch immer lag er völlig entspannt auf der Wiese, die Halme um ihn herum waren geschmückt mit kleinen Tautropfen, in die sich die Sonnenstrahlen verfingen und wie winzige funkelnde Diamanten wirkten.
Auch auf seiner Kleidung, einer Weste aus Leder und einer Hose aus groben Leinen hatten sich kleine Wasserperlen gebildet, die von den hellen Strahlen liebkost, den Eindruck erweckten, sie seien kleine, lustige Käfer, die seinen Körper hinabrutschten.
Endlich neckten ihn helle Sonnenstrahlen an seinen Augen. Mit einem angenehmen, herzhaften Gähnen streckte er seine erwachenden Glieder und öffnete seine verschlafenden Lider, dann schloss er sie wieder und verarbeitete seinen kurzen Blick in den Morgen. Er hatte was gesehen und es hatte nicht in diese nahezu perfekte Idylle gepasst. Es wäre für ihn ein leichtes gewesen, wieder die Augen zu öffnen, um das Gesehene erneut zu betrachten. Sein innerer Wille sträubte sich dagegen, dieser kurze Blick hatte gereicht ihn in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen. Was sollte er als nächstes unternehmen. Er entschied sich dazu zur Seite zu rollen und erst dann die Augen wieder zu öffnen.
Ein erneuter wachsamer Blick, wieder schlossen sich seine Augen. Sein Gehirn arbeitete nun auf Hochtouren. Wie konnte dies möglich sein?
Am vorherigen Abend hatte er sich diese Wiese als Lagerplatz ausgewählt, weil sie so schön abseits gelegen hatte. Weit ab von der Handelsstraße und versteckt in einem Wald. Es war doch die perfekte Stelle gewesen um ein Nachtlager aufzuschlagen.
Zum dritten Mal öffnete er die Augen und erhob sich auch, um einen gesamten Überblick über diese bizarre Situation zu erhalten.
Um seine Lagerstätte herum lagen die toten Körper von Waldelfen und Wiesenorks, er schätzte sie auf dreißig, aber es konnten auch mehr sein.
Er konnte die aufgerissen Münder und die erstarrten Augen, in dem Augenblick wo das Leben den jeweiligen Körper verlassen hatte, nicht länger ertragen. Er wollte fort, weg von diesem Ort des Schreckens und des Todes. Hektisch suchte er seine Habseligkeiten zusammen und verlies auf schnellsten Wege diese Totenstätte.
Ein Gedanke beschäftigte ihn dabei unentwegt, nein es war nicht der Gedanke gewesen, wie es zu dem Zwischenfall mit den Orks und Elfen gekommen war. Nein, ihn beschäftigte einzig und allein die Frage, ob er der Einzige auf dieser Welt war, der selbst inmitten einer heftigen Schlacht selig weiterschlafen konnte.