Der Steckbrief
Rouvard Lautenschmied

Mit einem ängstlichen Blick beobachtete der Barde das Bastardschwert, das ungeduldig auf und ab wippte. Die dazugehörige Kämpferin setzte einen vernichtenden Blick auf und knurrte leise: „Barde, Deine letzte Chance. Sing endlich ein Loblied auf mich oder ich verfüttere Dich an die Regenwürmer.“
„Ja… ja..“ stotterte der junge Barde und griff hektisch nach seiner Leier. Mit zittrigen Händen begann er zu spielen, seine Finger waren wie Blei und kamen nur zögernd ihren Aufgaben nach. „Daa… as…. Ffffv… or…spppp… ieeellll” stotterte er verlegen und begann nach weiteren Takten, mit seinem melodischen Sprechgesang:

„Ihr Leute hört Euch diese Geschichte an,
von einer Frau ohne Größenwahn,
Sie ist so schön, sie ist so schlau,
hat braune Haare, ihre Augen sind blau…“

Meine Augen sind aber braun…“ unterbrach ihn die Kämpferin mit schroffer Stimme.
„Wirklich? In diesem Licht wirken sie ganz anders!“ Verzweifelt umklammerte der Barde seine Leier und wartete mit gesenktem Haupt auf den vernichtenden Schlag, doch der schien nicht kommen zu wollen.
„Macht es Euch Spaß, mich in Todesangst zu sehen?“ Es folgte keine Antwort auf seine kleinlaute Frage. Vorsichtig blickte er auf und erkannte, zu seiner Verwunderung, dass die Kämpferin gegangen war. So plötzlich sie gekommen war, war sie auch wieder verschwunden.
„Merkwürdig…“ murmelte er und griff sich seinen abgewetzten Rucksack. Er hatte bislang noch nie von einer Kämpferin gehört, die sich Todesengel nannte, geschweige denn von Wolpa. Woher hätte sie auch wissen sollen, dass er aus Rusko stammte und auf dem Weg nach Zyr war, um in der dort ansässigen Bardengilde vorzusingen, um eventuell aufgenommen zu werden.
„Komisches Land, dieses Foxen…“ murmelte er, während er eilig weiterging.

„Und Rhonda?“ Der Mann in der staubigen, braunen Kleidung schaute die Kämpferin aus großen, braunen Augen an.
„Er war es nicht! Ich hätte schwören können… Gib mir noch einmal den Steckbrief, Pagadon!“
Wortlos reichte er ihr das Pergament, dass sie schnell ausrollte und intensiv betrachtete. „Schau Du doch auch noch mal! Dies ist doch sein Gesicht, oder?“
„Ich habe ihn doch nur von weitem gesehen…“ murmelte Pagadon, der sich nachdenklich am Kopf kratzte, „aber wieso bist Du so sicher, dass er es nun doch nicht war? Ich, da ich Barde bin…“
„Aber kein sonderlich guter!“ fiel Rhonda ihm ins Wort.
Pagadon schenkte ihr einen bösen, vernichtenden Blick, „ich hätte dies viel besser bewerten können!“
„So, meinst DU?“ grinste Rhonda hämisch.
„Also, Frau Superschlau! Woher weißt Du so genau, dass es ein echter und kein falscher Barde war.
„Ach, Pagadon!“ lachte Rhonda, „Ich habe mir gedacht, wer so gut Leier spielt und dabei besser singt als…“ sie machte eine kurze Pause, „DU…“ Sie brach erneut in schallendes Gelächter aus, „ der kann doch nur ein echter Barde sein!“
„Kunstbanausin“ brummte Pagadon und folgte ihr zutiefst gekränkt.
„Außerdem“ fügte Rhonda beiläufig hinzu, „sagtest Du nicht, dass der gesuchte Mörder nur neun Finger hat.“
„Ja!“ grummelte Pagadon beleidigt.
„Der von gerade hatte zehn!“