Langeweile
Rouvard Lautenschmied

Es schien ein ruhiger Tag zu werden. Gelangweilt lag ich auf der saftigen Wiese, nahe meiner kleinen Hütte, und starrte zum blauen Himmel hinauf. Nun ja, so blau war er heute nicht. Große Wolken zogen ihre Bahn über das Himmelsfirmament und bedeckten ab und an die wärmende Sonne. Warum geschah heute nur rein gar nichts? Kein Wanderer, noch ein Kaufmann oder Abenteurer hatte sich heute hier blicken lassen und die Sonne würde bald wieder untergehen…
„Wieso kommt heute niemand?“ murmelte ich leise in meinen, nicht vorhanden, Bart. Sollte ich wirklich nicht umhin kommen, gerade heute vor Langweile fast zu sterben?
Mit einem lauten Stöhnen erhob ich mich und blickte mich noch einmal um. Der Wald lag still da und auch in der unendlichen Weite der Steppe konnte ich keine Bewegung ausmachen. Lustlos trottete ich zu meiner Hütte zurück und betrachtete sie. Sollte ich vielleicht die unzähligen Flecken vom Holz abwischen? Dafür müsste ich aus der Hütte den gusseisernen, zerbeulten Eimer holen, in den Wald zur kleinen Quelle gehen und den ohnehin schon schweren, dann auch noch mit Wasser gefüllten, Eimer wieder zurück schleppen.  Noch bevor ich meinen ersten beherzten Schritt in die Hütte unternahm, brach die Sonne wieder durch die Wolken durch und bestrahlte mich mit ihrer ganzen Wärme.
Nein, dachte ich mir. Bei dieser Hitze würde ich nicht mit dem schweren Eimer losziehen, ich wollte doch nicht schwitzen und möglicherweise abstoßend riechen. Außerdem könnte ja auch jemand vorbeikommen.
Um zumindest einen guten Willen zu zeigen, spuckte ich in meine Hände und rieb sie über die unzähligen kleinen Flecken, nur leider ohne Erfolg. Da half wohl wirklich nur viel, viel Wasser. Einen lauten Seufzer der Unlust ausstoßend, ließ ich mich wieder rücklings in das weiche Gras sinken und schaute wieder zum Himmel. Wenigstens dort geschah ein wenig, wenn auch nicht viel. Mmmh, wie gut das Gras gerade heute duftete. Mein Magen fing unweigerlich an zu knurren, dieser frische, saftige Geruch hatte ihn wohl wachgerüttelt.
Ich musste mich ablenken, bevor der Hunger noch größer würde und ich eine Dummheit begehen würde, nur womit. Vielleicht mit der Erinnerung an den gestrigen Tag? Nein, besser nicht, dann würde ich wohl noch mehr Appetit bekommen! Moment, ich unterbrach kurz meinen Gedankengang, war da nicht doch gerade ein leises, verhaltenes Rascheln gewesen? Neugierig legte ich meinen Kopf zur Seite und spähte durch die grünen Halme, vor meinen Augen, hindurch zum Waldesrand.
Nein wirklich? Ja, endlich! Freudig jubelte ich innerlich auf. Besuch! Gleich zwei Menschen, ein Mann und eine Frau und noch so jung. Wie nett! Es war doch klug gewesen, nicht Wasser holen zu gehen, sonst hätten wir uns womöglich noch verpasst.
Endlich kam wieder Leben in mir auf, behände lief ich zur Hütte zurück. Einen solch lieben Besuch sollte ein aufmerksamer Fuchswer doch mit geschärften Krallen und gespitzten Zähnen empfangen, oder?