Liebesschwur
Rouvard Lautenschmied

Kyrandor schaute seine heimliche Liebe verstohlen an, normalerweise war er der erste, wenn es darum ging, sich in einen Kampf zu stürzen, um die Leben seiner Freunde und Kameraden zu schützen. Kein Monster war ihm zu hässlich, kein Drache zu gefährlich, kein Abenteuer zu gewagt, wenn es galt etwas Unrechtes rückgängig zu machen, war er dabei.
Nur bei ihr versagte sein Mut, immer wenn er versuchte sie anzusprechen, stockte seine Stimme, pochte sein Herz wie verrückt und er wurde rot im Gesicht.
Wie sollte er ihr nur sagen, wie sehr sein Herz nach ihr verlangte?
Sein Freund Pagadon hatte ihm deswegen ein Pergament mit einem Gedicht gegeben, falls seine Stimme wieder einmal patzen sollte. Auf diese Weise hätte er etwas in der Hand, an dem er sich festhalten könnte. Dieser Augenblick war nun gekommen. Mit schwitzigen Händen öffnete er das Pergament und trug es seiner Angebeteten vor.

„Und?“ meinte Pagadon später, „wie war die Ode?“ Kyrandor gab das Pergament wortlos an ihm zurück. „Sag doch was, Kyrandor!“
„Wer DICH zum Freund hat…“ murmelte Kyrandor enttäuscht und ließ Pagadon in der engen Gasse stehen. Er ging, ohne den Barden eines weiteren Blickes zu würdigen, davon.
„Komischer Kauz?“ murmelte Pagadon, öffnete nachdenklich die Rolle und las:

„Mir wird schlecht, wenn ich Dich seh‘,
wenn Du sprichst, tut mir alles weh,
Du bist überflüssig, wie schimmlig‘ Brot,
es wär so schön, wärst Du doch tot!“

„Autsch!“ überkam es Pagadon, „Jetzt weiß ich auch, warum ich von meiner Ex, diesen herzzerreißenden Kuss bekam!“