Neulich in der Schänke
Rouvard Lautenschmied

Das Wirtshaus war gut gefüllt. Bierkrüge wurden mir derben Trinksprüchen so heftig aneinander geschlagen, dass der Inhalt „Felswogener Starkbier“ überzuschwappen drohte. Inmitten diesem Getümmel aus rauhem Gelächter, derben Scherzen und lauten Zurufen erhob sich eine helle, freundliche Stimme.
„Vielen Dank, dass Ihr alle so zahlreich erschienen seid. Wie versprochen werde ich Euch heute die Geschichte von…“
Der Bruder der Rednerin, Rouvasch Lautenschmied, stand schweigsam hinter der Theke und war damit beschäftigt, die Felswogener Spezialität in die geleerten Krüge zu füllen. Einerseits war er froh, dass sich so viele Gäste eingefunden hatten, aber andererseits war er neidisch auf seine Schwester, die mehr Leute anzuziehen vermochte, als er.
„Man wird halt alt…“ murmelte er verdrossen und zapfte weiter, „ja damals…“
„Damals war Rouvine auch schon besser als Ihr!“
Hätte der folgende Blick von Rouvasch töten können, wäre der ungefragte Gast vermutlich leblos zu Boden gegangen, so kehrte dieser aber mit einem gefülltem Krug zu seinen Kumpanen zurück.
Verstimmt bedachte Rouvasch den Rüpel mir einem heimlichen Zauberspruch und genoss die folgende Szene.
„Hey Helgis, wie siehst Du denn auf einmal aus?“ lachten seine Saufkumpanen lauthals.
„Wie, was? Spinnt ihr?“ entgegnete dieser verwirrt.
„Schau Dir mal Deine Nase an!“ grinste ein anderer.
Mit einem verunsicherten Blick tastete er an seinem Riechorgan.
Rouvines Erzählung hatte inzwischen ihren Höhepunkt erreicht, den sie mit rhetorischen Mitteln geschickt vorbereitet hatte, „‘und‘ meinte der Drachenmeister mir ungeduldiger Stimme zu Rouvasch, ‚was ist euer Problem?…‘“
„Aaargh, ich hab‘ ne Schweinsnase!“ stieß Helgis in diesem Moment mit schrille, entsetzter Stimme aus. Ein tosendes, nicht enden wollendes, Gelächter brach los. Rouvine schaute höchst verärgert über diese Störung, die ihre Geschichte jäh unterbrach, zu Rouvasch, der ebenfalls johlend hinter dem Tresen stand und sich darüber freute, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben.