Verführt
Rouvard Lautenschmied

Kapitel 1

Gelangweilt schaute Tressina aus dem Fenster hinunter auf dem Burgvorplatz, wo sich wieder einige Drachenritter versammelt hatten und eindringlich auf einen Bewerber einredeten, was er an seinem zukünftigen Zimmer, das er unter Umständen hier bekommen würde, ändern sollte. Natürlich konnte auch sie hinuntergehen und ihre Meinung äußern, doch heute suchte sie kein Wortgefecht. Ihr war mehr nach einem Schwertgefecht. Nur gegen welchen Ritter? Vielleicht wäre auch ein Duell mit dem griesgrämigen Magier, der in einem der, steil in den Himmel ragenden, Seitentürme wohnte, reizvoll? Obwohl ein Schwertgefecht… nein, das war es eigentlich auch nicht, was sie heute wollte.
Sie suchte einen Kampf, nur eben in einer anderen Art. Eigentlich keinen richtigen Kampf, sondern mehr der Wunsch jemanden zu betören und mit ihm eine kurze, aber schöne Zeit zu verbringen. Nur mit wem? Da meldete sich ihre innere Stimme. „Tressina“, sagte diese, „du bist eine Ritterin. Eine sehr schöne Ritterin, du solltest an Deinen Kodex denken und Dich nicht diesen laszitiven Gedanken hingeben!“
„Ach, sei Du doch ruhig!“ entgegnete Tressina ihrem Gewissen. „Woher soll ich wissen, ob mein Wesen bei den Männern noch etwas anderes weckt, als nur das Schwert zu ziehen, um zu sehen, ob ich meinen Rang als Ritterin auch zurecht bekleide!“
„Du bist aber nun mal Ritterin und unterliegst Regeln…“ unterstrich ihr Gewissen nochmals.
„Papperlapapp!“ widersprach Tressina, „Ich will es wissen! Den nächsten, der an meiner Tür vorbeigeht, werde ich betören. Ich brauche Gewissheit!“
Mit einer schwungvollen Bewegung öffnete sie die Tür ihres Gemachs und ließ ihren Blick über den hellen, freundlich beleuchteten Gang schweifen. Niemand, nicht eine Seele war zu sehen.
„Uh, wie spannend!“ gähnte ihr Über-Ich.
„Ach, sei doch still…“ grummelte Tressina und blickte weiter erwartungsvoll den Gang hinunter.
„Und was ist, wenn Thomas der Ork vorbeikommt oder Takina, der kleine Gobbo?“
„Egal!“ knirschte Tressina, „der nächste ist fällig!“
„Na ja, zumindest sind die Frauen auf der Burg momentan vor dir sicher!“
„Du blöde innere Stimme. Hör endlich damit auf…da hinten kommt jemand, sei also endlich still!“ Mit zusammengekniffenen Augen blinzelte Tressina gegen das helle Licht an. Ja wirklich, dort hinten kam jemand. Hoffentlich war dieser jemand auch männlich. Zumindest war er nicht klein und auch nicht wuchtig, dies konnte sie bereits ausmachen. Die Gestalt änderte nicht die Richtung und steuerte geradewegs auf sie zu. Es war… es war… jetzt erkannte sie die Gestalt und ein kleiner Seufzer der Enttäuschung schwappte über ihre wohlgeformten Lippen. „Rouvasch, nun denn, dann eben dieser labernde Barde…“
Gewandt wie ein Katze huschte sie zu ihrem Spiegel zurück und korrigierte nochmals den Sitz ihrer Frisur. Nun ja“, seufzte sie, „für ihn wird es wohl reichen… warum konnte denn jetzt nicht jemand anders hier vorbeikommen. Boradian zum Beispiel oder der fesche Drachenmeister… sei’s drum, der Barde wird dran glauben müssen…“
Sie brachte sich, gegen ihre Tür gelehnt, in eine gewagte Position und wartete ab.

Das fröhliche Pfeifen des Barden wurde lauter und lauter, dann lief er in keinem Meter Abstand an ihr vorbei.
„Hallo, Rouvasch!“ flötete Tressina mit liebreizender Stimme. Der Barde zuckte gehörig zusammen, er war in Gedanken bei einer neuen Ode gewesen und, trotz der sanften Stimme, aus seiner Komposition gerissen worden. Sein verklärter Blick fiel auf den weiblichen Ritter Tressina, die keine Rüstung trug, sondern nur eine figurbetonte Robe in einem satten Dunkelblau. „Seid mir gegrüßt, Ritter Tressina!“ seine Stimme klang ein wenig überrascht, „nanu, in dieser Kleidung kenne ich Euch gar nicht, sie steht Euch aber ausgezeichnet…“
„Rouvasch, „säuselte Tressina weiter, „lass doch das förmliche… was trägst du denn da unter dem Arm? Möchtest Du es mir nicht zeigen?“
„Och…“ entgegnete Rouvasch verwirrt, „das ist nur ein Bild von meinem Onkel Rouvard und der kleinen Tares! Nichts besonderes!“
„Zeigst Du es mir trotzdem?“ Sie schwebte mit einem grazilen Gang zur Seite und zog den Barden, der zögernd eintrat, sozusagen in ihr Zimmer, um im gleichen Atemzug die Tür zu schließen.
„Schön habt ihr es hier!“ erwiderte Rouvasch mehr mechanisch, dem die geschlossene Tür ein wenig verunsicherte.
„Zeig mir doch das Bild!“ sie schob ihre Brust ein wenig vor und schenkte dem Barden einen lieben Blick.
„Ja, genau!“ Rouvasch war geradezu glücklich darüber, ein anderes Thema anzuschneiden. Er entrollte die Leinwand und präsentierte dem weiblichen Ritter sein Gemälde.
„Nett!“ meinte Tressina und schob sich näher an Rouvasch heran. „Hättest Du nicht einmal Lust mich zu malen?“
„Euch… äh, dich zu malen? Aber du hängst doch bereits in der Galerie, nicht?!“
„Schon… aber ich möchte von dir gemalt werden.“ dann fügte sie noch ein Wort an, „Nackt!“
Dem Barden fiel vor Schreck das Gemälde aus der Hand. „Äh, habe ich richtig verstanden? Ihr… du willst einen Akt? Von mir? Warum gehst Du mit diesem Wunsch nicht zu Lady Cancelot oder Lady Sylvia, die können das viel besser. Außerdem, “ fügte er kleinlaut hinzu, „habe ich gar keine Ahnung, wie man einen Akt malt!“
„Nun mal nicht so schüchtern, Barde Rouvasch. Du kannst mir ja vorher eine Ode bringen, sozusagen zur Auflockerung, bevor du deine Pinsel schwingst!“
„Ein Ode auf Euch und einen Akt?“ Rouvasch sah Tressina schief an. „Das ist nicht Dein Ernst, du bist doch normalerweise die erste, die laut ruft Knebelt den Barden oder So nehmt ihm doch endlich die Pinsel weg! Was soll dieser Gesinnungswandel?“ Sein Blick lag fragend auf der Frau.
„Ach, Rouvasch!“ grinste diese und schob sich die Robe weit über die Schultern hinunter, „Kennst Du nicht den Spruch: Was sich liebt, das neckt sich?“
Rouvasch verschränkte seine Arme abweisend und schaute Tressina mit einem ersten Gesicht an, „Ich wusste gar nicht, dass wir uns lieben! Bis dato, dachte ich immer, dass Du mich lieber von weitem als von nahem siehst!“
„Nun sei mal nicht so kühl, du süßer Halbelf!“ kicherte Tressina mit lockender Stimme, „ich habe doch auch schon oft genug deine heimlichen Blicke gespürt. Wie du mich mit deinen Augen bis auf den Lendenwickel ausgezogen hast. Glaubst du wirklich, ich hätte das nicht gemerkt.“
„Öhem“, räusperte sich der Barde und schaute verlegen zur Seite. Ihre Robe war zu Boden gefallen und nun stand sie, wie Tromothan sie einst erschuf, vor ihm. „Du solltest mein Körper vor der Ode und dem Akt erst einmal genauestens erkunden, sozusagen als Inspiration.“
„Tressina…könnest Du bitte das Gewand wieder anlegen.“ meinte er mit hochroten Kopf und peinlichst darauf bedacht, Tressina nicht anzuschauen.
„Rouvasch! Schau mich an… bitte!“ ihre Stimme war fast schon einem Flehen gleich. „Nein…“ antwortete er leise aber bestimmt. „Erst wenn Du Dir die Robe wieder angelegt hast.“
„Schau mal, die Narbe hier hat mir einst ein Oger mit seiner Streitaxt verpasst. Rouvasch, nun guck doch. Ich möchte, dass du sie kräftiger malst!“
„Tressina, warum ich? Warum nicht Reigam? Oder San Ra-Lo Quonling? Oder Abdul! Warum in des Dunkelelfens Namen ausgerechnet ICH!“
„Rouvasch! Ich will nur Dich und keinen anderen!“ log Tressina, die sich insgeheim ärgerte, dass der Barde so störrisch und desinteressiert wirkte. „Gefalle ich Dir vielleicht nicht?“
Rouvasch trat verlegen von dem einen auf das andere Bein. „Doch…“ meinte er zögernd, „du gefällst mir schon… nur…“
„Nur was…“ bohrte der weibliche Ritter weiter.
„Nun ja… ich bin kein Barde für eine Nacht! Woher soll ich wissen, ob du nur mit mir spielst oder nicht?“
„Schau mich doch an! Können diese Augen lügen?“ Sie war selbst überrascht, wie überzeugend diese geheuchelten Worte über ihre Lippen kamen.
Der blonde Halbelf hob seinen Blick und schaute ihr in die Augen. „Sie sind grün“ meinte er nur, „Du hast grüne Augen, Tressina.“
„Und ist das schlimm? Sag doch, was ist daran so schlimm, dass ich grüne Augen habe!“
„Ich habe zur Zeit keine grüne Ölfarbe…“ begann der Barde zögernd.
„Herrje, ROUVASCH! Dann malst Du meine Augen eben blau! Außerdem sollst du mich nicht jetzt malen, sondern erst meinen Körper erkunden!“
Fast schien es Rouvasch, als ob Tressinas Stimme ärgerlich klang. „Es ist noch alles so neu für mich, Tress… ich darf dich doch Tress nennen, oder?“
„Solange Du daraus nicht Trine machst, Rouv!“ säuselte sie und schlang ihre Arme um den verschüchterten Barden. „Küss mich…“ hauchte sie ihm, in sein spitz zulaufendes Ohr.
„Sollte ich nicht gerade noch deinen Körper erkunden? Nun soll ich dich küssen?“
„Nenn es Leidenschaft…“ gurrte Tressina und schob ihren Mund erwartend nach vorne. Nun küss mich endlich, störrischer Halbelf, dachte sie leicht verstimmt. Jeden anderen, da war sie sich sicher, hätte sie schon im Bett gehabt und wäre längst mit ihm fertig gewesen.
Zögernd näherten sich seine trockenen Lippen ihrem wohlgeformten, nach ihm verlangenden, Mund. Gleich, gleich habe ich ihn soweit. Sie schloss ihre Augen in sinnlicher Erwartung. Noch niemals zuvor hatte sie sich von einem Halbelfen küssen lassen, wie es wohl sein würde. Sobald er ihre Lippen berühren würde, würde sie sanft zu Boden gleiten und ihn mitziehen, noch im Fallen würde sie seine Hose öffnen und …
Es würde ein Leichtes sein, ihn zu reizen bis er bereit wäre und dann hätte sie es geschafft, sie würde ihre Lust laut herausschreien und, hoffentlich, eine schöne Zeit haben. Vielleicht sind Halbelfen ausdauernder als Menschen, vielleicht könnte er länger. Würde er ihr die Befriedigung bringen, auf die sie in dieser langen Zeit ihrer Enthaltsamkeit gewartet hatte. Nur warum… ihre Gedanken wurden wieder klarer.. warum küsst der dumme Hund mich nicht. Sie öffnete erneut die Augen.
Rouvaschs Blick schien irgendwie entrückt. „Rouvasch! Aufwachen…“
„Wie?“ Sein Blick wurde wieder klar. Mit einem entschuldigenden Lächeln blickte er sie an, „Als ich auf deine geschlossenen Augen blickte, ging mir ein Reim durch den Kopf. Du weißt schon, für den Ode auf dich.
Tressina sagte nichts, in diesem Moment fehlten ihr tatsächlich die Worte.
„Ich stecke gerade in einem Vers, hör mal wie der klingt:

Deine Augen, sie strahlen so warm,
mein Herz, dass schlägt…

Was könnte wohl darauf passen?“
„ALARM! ALARM! TROLLE!“ Selbst durch das geschlossene Fenster war der Warnruf der Turmwache laut zu vernehmen. Da hatte Reigam wieder einmal ganze Arbeit geleistet, als er damals das magische Warnhorn erschuf.
„Danke!“ meinte Rouvasch und wollte Tressina endlich einen leidenschaftlichen Kuss geben, doch diese hatte sich hektisch von ihm gelöst und schlüpfte eilig in ihre prächtige Rüstung.
„Hey, Tressina. Was soll das? Ich dachte, dein Körper soll von mir erforscht werden.“
„Trolle! Rouvasch! Trolle, endlich einmal Feinde, die nicht sofort umfallen, wenn ich auf sie einschlage. Endlich einmal richtige Gegner, die kann ich mir nicht entgehen lassen!“ Mit einer behänden Bewegung ließ sie ihr scharfes Schwert in ihre Hand gleiten und stürmte ungestüm nach draußen. „Du kannst ja schon einmal die Stafette. Leinwand, Farbe und Pinsel besorgen, ich komme gleich wieder…“
Nachdenklich stand der Barde im Zimmer und schaute hinaus auf die Wehrmauer. Seite an Seite standen dort unzählige Soldaten und Drachenritter, bereit dem nahenden Feind entschlossen entgegenzutreten. Eine echte Bedrohung schien aber nicht auszugehen, da weder Reigam, noch Kampfdrachen erschienen.

Schließlich verließ er missmutig den Raum, nun war er endlich soweit gewesen Tressina seine Liebe zu gestehen und sie hatte ihn einfach stehen lassen. Stehen lassen für eine Handvoll Trolle.

Kapitel 2

Ein reges Treiben herrschte auf dem Innenhof der Drachenburg, der heute als Marktplatz diente. Eifrig versuchten Händler ihre Waren zu verkaufen, indem sie diese lautstark anpriesen. Inmitten dieses Getümmels zog eine weibliche Gestalt ihre Runde. Sie war auf der Suche nach einer Besonderheit. Kein Schwert, kein Schild, nein es sollte ein Gegenstand sein, der einfach nur ihre Aufmerksamkeit erregte. Ihr Blick lastete auf den überladenen Auslagen der Händler, die ihr Interesse bemerkten und noch lauter ihre Waren anpriesen. Mit einem aufmunternden Lächeln ging sie jedes Mal weiter, es war einfach nichts zu finden, was ihr direkt ins Auge fiel.
„Hallo Trinitti, suchst Du was Bestimmtes?“ sprach sie eine bekannte Stimme an.
„Hallo Rouvasch!“ begrüßte Trinitti den Barden freundlich. „Ja, ich suche was Außergewöhnliches, was Besonderes eben!“
„Mmh!“ meinte der Barde und blickte ebenfalls über den Markt, „Was Ausgefallenes?“
„Ja, aber ich finde nichts…“
„Möglicherweise habe ich genau das Richtige für Dich in meinem Gemach! Das, was Du suchst,… auch wenn ich nicht weiß was es ist,…“
„Ehrlich gesagt, ich weiß es auch nicht!“ gestand Trinitti und schaute den Halbelfen ein wenig traurig an.
„Schau es dir am besten einmal an!“ schlug er vor und bahnte sich einen Weg durch die Menge. „Platz da, jetzt komme ich! Wer nicht zur Seite geht, dem singe ich ein Lied…“
Sofort entstand ein freier Keil vor dem Barden, der mit der traurig scheinenden Trinitti zurück zur Burg marschierte.

In Rouvaschs Stube angekommen, schaute sich Trinitti neugierig um. „Wenn Du bitte nichts anfassen würdest.“ bat Rouvasch freundlich „dieses Chaos vor dir hat eine eigene Ordnung.“
Trinitti fand das Wort Chaos geradezu geschmeichelt für die Unordnung, die in dieser Kammer herrschte. Der Boden und die Tische, ja sogar das Bett waren übersät mit Schriftrollen. „Und hier wirkst Du? In diesem Tohu… ähm… diesem Umfeld?“
„Ja, hier kann ich meine künstlerische Ader frei entfalten! Wo ist es denn nur?“ der Barde schob ein paar ausgerollte Pergamente zur Seite und grub sich tiefer in das Getümmel der Rollen hinein.
„Entrollen wäre wohl passender…“ entgegnete Trinitti und wartete ab.
„Eureka! Hier ist es!“ rief Rouvasch euphorisch aus und hielt der verdutzt schauenden Trinitti seinen gefundenen Gegenstand hin.
„Ähm, dies ist ein Messer…“ begann Trinitti zögernd.
„Dies ist genau der Gegenstand nach dem Du gesucht hast, Trinitti! Es ist kein normales Messer, sondern ein Brustdolch. Sieh dir doch nur diese geschwungenen Seiten an, ich bin mir sicher, dass Deine weibliche Form dafür wie geschaffen ist.“
Nachdenklich besah sich Trinitti den Brustdolch, schließlich nahm sie ihn sogar in die Hand. Sehr schwungvoll die Dolchseiten, vielleicht zu schwungvoll?
„Und?“ Rouvaschs Blick lag erwartend auf Trinitti.
„Wie und?“ entgegnete diese und versuchte den Blick des Barden zu deuten. War er nun lüsternd oder doch nur interessiert.
„Möchtest Du ihn anprobieren?“
„Mmh, vor Dir soll ich ihn anlegen?“ Ihr Blick bekam ein wenig Schärfe.
„Ich kann mich auch solange umdrehen…“ die Stimme des Barden klang ein wenig enttäuscht, „ich wollte sowieso noch was anderes suchen.“ Mit diesem Worten kramte er weiter in seinem Chaos herum.
Trinitti beobachtete stumm den wühlenden Barden, erst als sie absolut sicher war, dass dieser nicht schielte oder lünkerte, öffnete sie ihren geschnürten Brustpanzer aus gehärtetem Leder und schob den Dolch vorsichtig zwischen ihre Brüste. Er passte wie angegossen, die beiden Klemmen legten sich sanft über ihre wohl proportionierten Wölbungen und schienen ein angenehmes Kribbeln zu verbreiten. „Wo hast Du den Brustdolch her, Rouvasch? Eigentlich brauchst du so was doch nicht, oder?“
„Ich habe ihn von Rouvine und sie von Rhonda, eigentlich sollte ich ihn nur untersuchen, ob er magische Fähigkeiten hat. Konnte aber keine feststellen, daraufhin wollte ihn Rhonda nicht wiederhaben und Rouvine wollte ihn auch nicht. Ich habe mittlerweile das gefunden, was ich gesucht habe…darf ich mich wieder umdrehen?“
„Moment!“ Trinitti schob sich eilig den Brustpanzer wieder hoch und schnürte ihn wieder zu, „er lässt sich angenehm tragen, wirklich!“
„Freut mich!“ strahlte Rouvasch sie an, „Du kannst ihn gerne behalten, ich habe für den Dolch wirklich keine Verwendung, wie Du schon richtig bemerkt hast!“
„Danke, Rouvasch… im nachhinein denke ich sogar, dass ich genau so was gesucht habe!“
„Sagte ich doch“ meinte der Barde zufrieden und warf noch einen Blick auf ihren Brustpanzer.
„Er sitzt wirklich wie angegossen… danke!“ meinte sie und öffnete die Tür, da Rouvasch nichts sagte, ging sie wirklich. Weit kam Trinitti aber nicht. Mitten auf dem Gang blieb sie stehen und überlegte. Drücken hätte sie den Barden doch können oder zumindest ein liebes Gesicht machen. Immerhin hatte er sich mehr als korrekt verhalten. Mit einem Gefühl der Reue kehrte sie zu Rouvaschs Gemach zurück.
Es klopfte. Rouvasch saß an seinem Schreibtisch und versuchte einige seiner unzähligen Schriftrollen neu zu ordnen. „Herein! Solange es nicht Rhonda ist!“
Trinittis Kopf erschien in der Tür, „Du scheinst ja nicht viel von Deiner Schwester zu halten!“
„Dies ist eine andere Geschichte!“ bemerkte Rouvasch trocken, dann wechselte seine Stimme in einen freundlicheren Tonfall, „Du kommst mich besuchen, das finde ich aber nett!“
„Och!“ erwiderte sie, „eigentlich wollte ich mich bei Dir nur richtig für den Dolch bedanken!“
Rouvasch horchte auf, „Wie? Richtig?“
„Lass dich überraschen!“ entgegnete Trinitti und fummelte an ihrem Brustpanzer herum. Rouvasch, der sein gestriges Erlebnis mit dem weiblichen Ritter Tressina noch nicht verkraftet hatte, stand die Panik im Gesicht.
„Nein, nicht du auch noch!“ schrie er auf, bevor er kreidebleich zur Tür stürzte und heraus rannte. „Drachenmeister! Wir haben auf der Burg ein großes Problem…“ gellte sein Ruf über den Gang.
„Was hat er denn nur? Ich wollte ihn doch nur drücken?“ Trinitti hatte lediglich den Sitz ihres Panzers korrigiert, der ein wenig verrutscht war und schaute dem davoneilenden Barden verwundert nach.

Kapitel 3

Der kleine Gobbo hüpfte aufgeregt auf und ab, während er wild gestikulierend auf Sir Wilkens einredete. „Und dann hat diese mir, mir unbekannte, Ritterin…“
„Takina, es gibt keine Ritterin, man sagt zu ihnen weiblicher Ritter!“ korrigierte Wilkens den aufgedrehten Kobold.
„Ist doch egal… auf jeden Fall hat sie mit einem Schlag drei Kobolde…“
„Es waren nur zwei, rein zufällig stand ich neben ihr…“
„Warum erzähle ich Dir dann diese Geschichte?“ der kleine Kobold schaute missmutig zu Wilkens nach oben.
Dieser hatte ein schalkhaftes Grinsen aufgesetzt und wirkte äußerst amüsiert. „Ich glaube, Kobolde können noch besser übertreiben als Barden… apropos Barden, da hinten kommt unser Burgbarde…“
Mit wehenden Haaren und einem entsetzten Blick lief Rouvasch direkt auf das ungleiche Paar zu. „Wilkens! Takina! Lauft! Rettet Euch! Die Ladies hier drehen langsam durch. Die denken nur noch an das eine…“ Nach Luft ringend blieb der blonde Halbelf stehen und blickte in die sichtlich amüsierten Gesichter der beiden.
„Rouvasch kann laufen, sogar schnell….“ frotzelte Sir Wilkens und suchte Takinas Blick, der den Wink verstand.
„Übst du schon deine Flucht für den nächsten Angriff der Trolle? Wir haben dich und deine Kampfgesänge gestern vermisst!“
„Eben, wir hatten uns alle vorsorglich Wachs in die Ohren gesteckt!“ fügte der Ritter Wilkens todernst hinzu, bevor er und Takina laut losprusteten.
„Der Feind steht nicht vor dem Tor. Er ist bereits in diesen Mauern und greift hinterhältig an. Sicherlich hat er schon alle Ladies hier infiziert. Nehmt Euch also vor den Frauen in acht, alle wollen nur noch das eine…“
„Rouvasch und sein Wunschdenken!“ meinte der Kobold grinsend und schaute den Sir erwartungsvoll an.
„Sicher Rouvasch. Ich würde sagen, dass du die Probleme hast und nicht die Ladies. Angst vor dem Versagen?“ Wieder lachten die beiden laut los, während sich Rouvaschs Gesicht zunehmend verdunkelte.
„Ihr glaubt mir wohl nicht… nun gut! Ich werde es Euch beweisen, versteckt Euch und beobachtet, was geschieht. Ich sage Euch, hier geht was um!“
„Das sollen wir dir abnehmen, du…“
„Los, versteckt Euch!“ würgte Rouvasch Wilkens ab, „da hinten sehe ich gerade Lady Karin kommen. Ihr werdet schon sehen!“
Sir Wilkens verschwand hinter einem Wandteppich, der bis zum Boden reichte und der kleine Kobold suchte Unterschlupf in einer Vase, die kaum größer als er selbst war. Gespannt warteten die beiden ab.

Lady Karin war an diesem Tag besonders guter Dinge. Nicht nur, dass sie am heutigen Tag unzählige Komplimente von allen Seiten bekommen hatte, nein, ein unbekannter Verehrer hatte ihr sogar einen Strauß herrlicher Sommerblumen durch einen Boten bringen lassen. Wer wohl dahinter steckte, wer mochte dieser heimliche Verehrer sein.
Fröhlich summte sie eine kleine Melodie und lief leichtfüßig den Gang weiter. Stand am Ende des Ganges nicht jemand? Ja, dieser Halbelf… dieser, wie hieß dieser Verseklopfer noch einmal, der ab und an die Burg mit seinen Gesängen heimsuchte… ja richtig, Rouvarsch oder so ähnlich! So recht konnte sie sich keinen Reim darauf machen, warum der Barde sich einen solch ungünstigen Namen gegeben hatte. Jorindel war doch ein viel schönerer Name, als dieses barsche Rouvarsch. Sollte sie ihn nun kurz grüßen oder einfach freundlich nickend weitergehen. Es war doch ein so schöner Tag heute, was würde es sie schon kosten, diesen Rouvarsch zu grüßen. Als sie auf gleicher Höhe mit dem Barden war, setzte sie ihr strahlendestes Lächeln auf und grüßte ihn fröhlich mit, „Hallo, Barde Rouvarsch!“ wobei sie die Endung besonders betonte.
Sie erntete einen zutiefst gekränkten Blick des Barden, der nichts antwortete. So ging man aber nicht mit ihr um. Wenn sie schon jemanden grüßte, dann erwartete sie schon eine entsprechende Antwort. „Ich sagte: Hallo! Werter Barde… ROUVARSCH!“. Sie war stehen geblieben und musterte den Barden kritisch. Wieso antwortete der Barde nicht, sondern schaute sie nur mit diesem Chimärenblick an. Wenn sein Blick töten könnte, ich würde jetzt wohl leblos umfallen, erkannte sie. Sollte es dieser Barde tatsächlich geschafft haben, ihr die gute Laune zu nehmen. „Könnt oder wollt ihr mir nicht antworten!“ Ihre Stimme klang  eiskalt und scharf.
„Pah!“ erwiderte der beleidigte Barde. „Soll ich jetzt auch noch danke schön sagen, oder was?“
„Sicherlich, ich war doch nett zu euch!“ erwiderte Karin, die sich keiner Schuld bewusst war und eine würdige Haltung annahm. „Zum guten Ton der Etikette gehört es, dass man einen Gruß erwidert. Ihr befindet Euch hier in keiner Schenke, sondern auf der Burg des Drachenmeisters, dem Meister über alle Drachen, dem Meister über dieses Lied, dem Meister…“
„Dann gehört es auch zum guten Ton, dass man beleidigt wird?“ warf Rouvasch ein, dem dieser Monolog zu lang wurde. „Es gehört nicht zur Etikette, dass man eine Person unterbricht, sie ungehobelter Barde…“, dann hielt Karin kurz inne, „wie beleidigt? Wer hat Euch beleidigt, Barde Rouvarsch!“
„Na, ihr!“ murmelte der Barde zähneknirschend, „Unentwegt nennt ihr mich ARSCH! Ich heiße Rouvasch… mit asch wie Asche am Ende!“
„Oh?“ mit einem Mal wich der Lady das Blut aus dem Gesicht. Sie hatte unbeabsichtigt den Barden zutiefst beleidigt, nicht nur einmal. Ihr Blut schoss zurück in ihren Kopf, nur für ihren zarten Körper war dies in diesem Moment zuviel. Eine Schwärze legte sich über ihre Augen und sie verlor das Bewusstsein, hätte Sir Wilkens in diesem Moment nicht sein Versteck verlassen und hätte sie aufgefangen, sie wäre unsanft zu Boden gegangen. „Warum hast Du sie nicht aufgefangen, Rouvasch?“ herrschte Wilkens den unglücklichen Barden an.
„Ich? Sie auffangen? Warum? Das ist ihre Masche, aber nicht mit mir. Erst beleidigt sie einen, dann täuscht sie eine Ohnmacht vor und wenn sie die Augen aufmacht, sagt sie bestimmt Oh, mein Retter! Wie kann ich Euch dafür danken! Und dann hat sie einen soweit und… na ja, den Rest wirst Du ja jetzt am eigenen Leib erfahren. Ich sage doch, hier geht alles drunter und drüber… ich werde den Drachenmeister darüber informieren! Vielleicht weiß der einen Rat!“
Takina war inzwischen ebenfalls aus der Vase gestiegen und warf den beiden einen fragenden Blick zu. „Habe ich was verpasst?“
„Och, Lady Karin wäre beinahe zu Boden gegangen…“ begann Sir Wilkens in einem strafenden Tonfall.
„Aber unser Sir Wilkens hat sich ja noch rechtzeitig aufgefangen. Was für ein Mann du doch bist, ein richtiger Teufelskerl! Pah!“ fügte Rouvasch sarkastisch hinzu bevor er mit stetem Schritte weiterging. „Ich falle auf so eine Masche nicht herein!“
Takina und Wilkens sahen dem grummelnden Barden nachdenklich hinterher. Da öffnete Lady Karin auch schon wieder die Augen und sah in das heldenhafte, von zahlreichen Narben gezeichnete, Gesicht von Sir Wilkens. „Oh, mein Retter! Wie kann ich Euch dafür danken!“ gurrte sie mit einer schwachen, aber dankbaren Stimme.
Sir Wilkens Blick ging noch einmal zum Barden, der schon reichlich entfernt war „Takina, ich fürchte der Barde hat recht!“ und dann dachte er mit lüsternden Gedanken, hoffentlich.

Kapitel 4

Mit einem genüsslichen Gesichtsausdruck lag Yerho in seiner ursprünglichen Gestalt, weit ab vom mittäglichen Treiben, an einer schwerzugänglichen Stelle und ließ sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Er hasste es seine Gestalt zu wandeln, nur um unter den Menschen und menschenähnlichen Wesen nicht aufzufallen. Da lag er doch lieber an diesem, seinen geheimen Ort, hatte die Augen geschlossen und dachte an gar nichts. Bis zu dem Moment, als man ihm die Sonne nahm. Wolken hatte er die ganze Zeit nicht ausmachen können, sollte er nun wirklich die Augen öffnen und nachschauen, wer ihm da den Schatten brachte. Ein lauter Aufschrei des Entsetzens, gefolgt von einem „Ach, du bist es Yerho. Ich dachte schon, du wärst ein Troll von gestern…“ brachte ihm die Gewissheit, dass nun mit der Ruhe Schluss war. Was suchte der Barde ausgerechnet um diese Tageszeit hier, dies war sein Platz und er wollte nichts haben, außer seiner Ruhe. „Was machst Du hier, Rouvasch? Dies ist doch bestimmt nicht der Ort, an dem ein Barde ein Lied bringen will, oder?“ meinte er mir müßiger Stimme und sah es überhaupt nicht ein, sich zu erheben oder die Augen zu öffnen!
„Ich muss zum Drachenmeister, das ist der Grund warum ich mich hier aufhalte, es ist der einzige Weg zu ihm!“
„Öhem, Rouvasch? Warum gehst Du hier lang und nimmst nicht den direkten Weg zu ihm, musst Du dich jetzt hier als Bergsteiger beweisen?“
„Nein, ich wollte ja auch den direkten Weg gehen, da waren aber Wachen, die haben mich nicht durchgelassen! Deswegen bin ich jetzt hier?“
„Wie? Seit wann lassen die Wachen keinen mehr zum Drachenmeister…“ für einen Moment war selbst Yerho ein wenig verwundert.
„Ich sage doch, hier in der Burg stimmt was nicht. Langsam aber sicher greift es auf alle über, die Ladys sind schon alle daran erkrankt?“
Nun war es Yerho doch zu seltsam geworden, er öffnete seine schlitzartigen Augen einen Spalt und musterte den Barden flüchtig. Dies war nicht der Barde, den er sonst kannte. Diese Person war eine Gestalt, deren Haare zersaust an ihm herabhingen, dessen Haut rot schimmerte und deren Atem schnell und flach ging. „Hast Du vielleicht noch ein anderes Problem, Rouvasch? Nachdem wir beide einst gemeinsam den Feuerbällen ausgewichen sind, wollten wir doch immer zu einander offen sein, oder?“
Rouvasch, der gerade einen kleinen Felsen erklommen hatte schaute auf Yerho herab. „Wenn man den ganzen Tag hier nur faul rumliegt, ist es klar, dass man von nichts mitbekommt. Wahrscheinlich hast Du den Angriff der Trolle gestern auch nicht registriert?“
„Trolle? Hier?“ Yerho schaffte nicht mehr als ein müdes Grinsen, “ Ach deswegen kam hier gestern ein wenig Hektik auf… ich dachte schon, du singst wieder!“
„Danke! So einen netter Spruch hat mir gerade noch gefehlt, ausgerechnet von Dir Yerho… Hör zu, die Ladys hier auf der Burg haben nur noch eins im Sinn…“
„Und… mach es nicht so spannend. Sie üben das Bogenschießen und haben Dich zur Zielscheibe ernannt?“
„Fast! Nein, sämtliche Ladies wollen Sex mit mir…, so nun ist es raus!“
„Rouvasch, du spinnst…“ weiter kam Yerho nicht, dieser Gedanke brachte ihn unweigerlich zum Lachen. Rouvasch, als Objekt der Begierde. Nein, da konnte er beim besten Willen nicht ernst bleiben!
„Da schau doch! Nun kommen sogar schon die Frauen hierhin, pass nur auf, sie wird auch dich gleich bezirzen…“ schrie Rouvasch entsetzt auf und deutete auf eine Gestalt, die unbekümmert auf die beiden zuhielt.
„Wen meinst du?“ für Yerho war es nicht gerade einfach wieder ernst zu werden, trotzdem versuchte er es. Mit einem lauten Seufzer erhob er sich endlich und schaute in die Richtung, in die der Barde deutete. „Da kommt Kassandra, und?“
„Herrje, Yerho! Was ist Kassandra? Ein Mann?“
„Nö!“ erkannte Yerho und fügte trocken hinzu, „ich will es doch nicht hoffen!“
„Und was will sie hier wohl an diesem verborgenen Ort? Yerho, wach auf!“
„Kassandra kommt jeden Tag hierhin und setzt sich in einiger Entfernung hin, um sich auch zu sonnen. Wir beiden stören uns nicht…“ dabei warf er einen strafenden Blick zum Barden, „und lassen es uns gut gehen. Außerdem ist Kassandra gerade mal der Pubertät entwachsen!“
„Schlimm genug, dass sie nun versucht, sich an dich heranzumachen. Lauf weg, Yerho. Flieh, bevor es zu spät ist.“ Rouvasch hatte nun doch bereits die Strecke bis zum hochgelegenen Fenster erreicht, noch immer kam Kassandra näher und näher. Warum lief dieser Wandler Yerho nicht weg, warum wollte partout niemand auf ihn hören. „Dann eben nicht!“ murmelte Rouvasch in seinen nicht vorhandenen Bart und stieg in das Fenster hinein.
Yerho schaute dem Barden sprachlos hinterher.
„Hallo Yerho, was machen die Geschäfte?“ begrüßte ihn die freundliche Stimme Kassandras.
Yerhos Blick traf die junge Frau hart, doch dann wurde er wieder sanft. Nein, Kassandra benahm sich wie eh und je, sie war absolut normal. „Meinen Geschäften geht es gut“ murmelte Yerho und lächelte Kassandra dabei an, „nur ich fürchte jemand anders hat ein ganz schön großes Problem!“ Fragend schaute er zum Fenster hinauf, sollte er oder sollte er nicht…
„Hast Du vielleicht Lust mit mir darüber zu reden?“ bot Kassandra hilfsbereit an und schenkte Yerho ein strahlendes Lächeln.
Zu strahlend für Yerhos Geschmack, ein wenig zu strahlend.
„Lass mal, Kassandra, lass mal! Nicht jetzt…“ eigentlich wollte er ihr sein Unbehagen gar nicht zeigen, was wäre wenn Rouvasch doch Recht hätte. „Warte, Rouvasch! Warte auf mich…“ Mit kräftigen Zügen schob sich sein Körper behände die Steinwand hinauf. Für den gleichen Weg, den Rouvasch in zehn Minuten zurückgelegt hatte, hatte er gerade mal eine Minute gebraucht.
Kassandra schaute Yerho mit offenem Mund zu. „Wenn ich mal heiraten sollte, dann bestimmt keinen Wandler… der geht fremd, ohne das ich was merke!“

Kapitel 5

Wie ein wilder, hungriger Löwe lief Tressina in ihrem Gemach auf und ab, der gestrige Kampf mit den Trollen hatte ihr Verlangen zwar unterdrückt, aber nun war es wieder da… stärker als zuvor. Was sie brauchte war Ablenkung, eine gute Ablenkung… War da was gewesen? Ein erneuter Warnruf? Sie horchte angestrengt in den Raum hinein. Nein, ein Alarm war es nicht, dafür waren die Stimmen zu leise, aber was sie redeten erregte ihr Interesse.
„Sir Wilkens, ihr und Eure starken Arme, wenn ihr nicht gewesen wärt. Mein zerbrechlicher Körper hätte bestimmt Schaden genommen. Nehmt dies zum Dank…“
Es folgte ein schmatzendes Geräusch, gefolgt von einem hohen, quengelnden „und was ist mit mir?“
Tressina, die schon neugierig die Tür öffnen wollte, hielt inne. Was das nicht die Stimme von diesem kleinen, grünen Goblin gewesen? Der unaufhörlich und vor allem ungefragt seine Kommentare abgeben musste!
„Takina, merkst du nicht, dass du störst? Die Lady möchte mit mir…“
Mmh, war das nicht die dunkle, sonore und entnervte Stimme von Sir Wilkens. Aber diese Frau…
„Nun streitet doch nicht, ihr Herren…“ versuchte die weibliche Stimme sanft zu schlichten.
Ja richtig, das war die Stimme der Lady Karin! Was suchte dieses ungleiche Trio nur vor ihrer Tür?
„Du nerviger, kleiner Kobold. ICH habe Lady Karin gerettet, nicht DU! Nun verschwinde endlich…“
„Ich bin ein Goblin, kein Kobold! Gobliiiiiin!“
„Edle Herren…“ doch da wurde ihre dünne Stimme von Sir Wilkens Organ übertönt.
„Kobolde sind grün, ich kenne keine grünen Goblins, denn die sind in der Regel fleischfarben, wie wir Menschen!“
„Wir Gobbos sind aber GRÜN…“ „Hallo…“ kämpfte Karins Stimme schwach gegen die Streithähne an, doch vergeblich.
Der Gobbo und der Ritter gifteten sich gegenseitig an und wurden immer lauter. Schließlich sogar so laut, dass Tressina sich beim Zuhören nicht mehr konzentrieren musste. Das Streitgespräch war auch so sehr gut zu verstehen.
„Kobold! Du grüner KOBOLD!“
„Pah, pockiges Narbengesicht!“
„Ich habe keine Pocken!“
„Doch!“
„Nein!“
Tressina konnte es nicht länger hinter der geschlossenen Tür aushalten, ob der Goblin sie nun nervte oder nicht. Dieses Schauspiel wollte sie sich nicht entgehen lassen, vielleicht würden die beiden sich ja auch die Schädel einschlagen. Sie öffnete leise die Tür. „Wer gewinnt?“ meinte sie mit lauter Stimme und einer grinsenden Miene.
Wilkens und Takina hielten für einen Moment in ihrem Wortgefecht inne.
„Die Dame Eures Herzen ist gegangen, Sir Wilkens… ihr war es wohl zu dumm, euch streiten zu hören!“
„Was?“ Sir Wilkens schaute sich verwirrt um. Lady Karin war tatsächlich gegangen. „Aber… aber… und schuld bist du, du grüner Kobold!“
„Nenn mich noch einmal Kobold!“ giftete der Goblin und fletschte seine gelben, belegten Zähne.
Wilkens ging tatsächlich einen Schritt zurück, doch nicht aus Angst, es war der ekelerregende Mundgeruch, der vom Goblin ausging. Wilkens Blick fiel wieder auf Tressina. „Wer seid ihr eigentlich? Ich kenne euch überhaupt nicht! Ihr habt gestern zwar an meiner Seite gekämpft und habt mir euren Namen verraten, aber seid wann lebt ihr auf dieser Burg!“
„Och!“ erwiderte Tressina und blieb Wilkens eine Antwort schuldig.
Takina fühlte sich in diesem Moment wieder einmal total unbeachtet, wütend hüpfte er auf und ab und fluchte, „Ich werde jetzt meinen besten Freund holen und der wird es Dir zeigen!“
„Ja, geh Du nur… du grünes Hüpfgemüse….“ grinste Wilkens müde. „Ich werde mich mit Tressina derweil unterhalten und auf dich und Deinen Freund warten. Bin mal gespannt, wie Deine Freunde aussehen! Hast Du überhaupt Freunde?“
„Warte es nur ab, warte es nur ab!“ tobte der grüne Goblin und ging eiligen Schrittes davon.
„Und wir? Was machen wir? Wollen wir uns wirklich unterhalten?“ säuselte Tressina mit einem gekonnten Augenaufschlag.
Sir Wilkens musste trocken schlucken, obwohl die Frau rothaarig, grünäugig und sommersprossig war, strahlte sie doch einen gewissen Reiz auf ihn aus. „Hmmm….“ murmelte er, bevor er sich bereitwillig in ihr Zimmer ziehen ließ.

Takina war mehr als nur wütend, er war stinksauer. Für eine Frau hatte ihn sein Freund und Zechkumpan Wilkens lächerlich gemacht. Nun gut, er war zwar klein und aufgrund seiner Späße auch nicht immer ganz ernst genommen, doch Wilkens, dieser Hund, war diesmal zu weit gegangen. Niemand, nein wirklich niemand nannte ihn einen Kobold. Selbst den Barden hatte er eine anonyme Nachricht zukommen lassen, dass er dies künftig sein lassen sollte, denn sonst würde er mit seinen Freunden zurückkommen und dann würde es für ihn (sowohl für Wilkens als auch den Barden) sehr schmerzhaft werden. Ja, genau! Er würde jetzt seine Freunde… Moment mal, Wilkens und der Barde waren seine Freunde hier auf der Burg. Nun hatte er wahrlich ein Problem, das sich aber auch lösen lassen würde. Nur wie? Glücklicherweise kam in diesem Moment ein finster dreinblickender Ritter in einer dunklen, schweren Rüstung entgegen. Wer eine solche Rüstung schleppen konnte, hatte sicherlich auch Dynamit in den Fäusten. „Hallo!“ grüßte Takina den dunklen Ritter.
„Was heißt hier HALLO? Auch wenn ich nur der 101. Ritter in diesem ehrenwerten Bund bin, so darf ich doch bitten, dass man mich zumindest auch mit Seit gegrüßt, werter Ritter Dtk anspricht, erst recht wenn es Dienstburschen sind, noch dazu grüne Kobolde!“
„Ich bin kein KOBOLD!“ entgegnete Takina schroff, „und außerdem bin kein Diens…“, in diesen Moment kam ihm eine Idee, wie er Wilkens es heimzahlen konnte, „ich meine, Euch grüßt der Dienstbote von Sir Matthias Wilkens. Er lässt euch ausrichten, dass ihr die schiefste Nase auf der Burg habt…!“ Der Gobbo musste sich fest auf die Zunge beißen, um nicht laut loszulachen.
„So? Ich habe eine schiefe Nase? Dies meint Euer Sir Wilkens? Dann bringt mich mal zu Eurem Sir Wilkens, ich will ihm mal eine richtige schiefe Nase präsentieren… und zwar seine eigene!“
Bingo! jubelte der Kobold innerlich vor Freude, auf Anhieb hatte sein Plan geklappt! Nun würde Wilkens nicht nur Pocken und Narben im Gesicht haben, nein, auch eine schiefe Nase würde sich hinzugesellen!“

Kapitel 6

Es roch nach Ärger, gewaltigen Ärger. Der edle Ritter Sir Thomas, der eine Gruppe der stärksten Orks um sich gescharrt hatte, schaute von seinem Wachturm aus in die unendlich scheinende Steppe. Ein weiterer Angriff der Trolle stand bevor. Es war in den letzten 24 Stunden einfach zu ruhig gewesen, als dass nicht passieren würde. Es schien ihm wie die Ruhe vor Sturm, gerade jetzt wo sich ein paar Kumuluswolken vor die Sonne schoben und das Land erneut düster wirken ließen, war er sich sehr sicher, dass es bald wieder losgehen würde. Nur würden die Trolle alleine kommen? Er warf einen kurzen Blick zurück in das Burginnere, der Markt war noch im Gange. Hier und dort war ein Lachen zu hören oder ein kurzes Wortgefecht zwischen einem Händler und einem Käufer. Würden im Falle eines erneuten Angriffs genügend Ritter und Wachen bereitstehen, um die Burg zu halten. Er blickte wieder zurück auf Steppe, die wie ausgedorrt vor ihm lag. Er wagte einen zweiten Blick ins Innere der Burg, doch er konnte nicht viele Ritter erkennen. Es war mehr das gewöhnlich Volk, was dort unten emsig beschäftigt war. Wo waren all die Ritter geblieben? Wieder brachte er seinen Blick in Richtung der Steppe, zuerst sah er nur einen kleinen schwarzen Punkt. Doch dieser Punkt schwoll zu einem schwarzen Fleck an, der sich immer mehr über die Ebene verteilte. „Verdammt…“ zischte Sir Thomas, die Trolle kamen diesmal nicht alleine, aber wen hatten sie als Verbündeten dabei…
Das Horn der Wachen blies erneut den Alarm. Der Burghof leerte sich innerhalb weniger Minuten, Ritter und Wachen eilten herbei, doch würden sie alle ausreichen, um diesen Angriff erneut erfolgreich abschmettern zu können?

Wilkens hatte es sich gemütlich gemacht, er saß spärlich bekleidet auf Tressinas Bett und schaute den weiblichen Ritter erwartungsvoll an.
„Ihr seid noch nicht lange auf dieser Burg, oder?“
Tressina grinste Wilkens mit einem verführerischen Lächeln an, „Ich wäre euch schon früher aufgefallen, nicht wahr?“
Wilkens nickte zustimmend und warf ihr einen gierigen Blick zu, dass was sie jetzt noch trug, konnte man so gerade eben noch als ein halbdurchsichtiges Nichts bezeichnen.
Mit einer geradezu elfenhaften Leichtfüßigkeit erhob sich Tressina nochmals und schwebte zu ihrem Tisch, dabei hatte Wilkens sie genau in diesem Moment küssen wollen.
„Tromothaner Spätlese?“ lächelte sie ihn an und warf ihm einen kecken Blick zu.
Diese Frau schaffte es wirklich, ihn schmoren zu lassen. Seit bereits einer halben Stunde saß er nun mit ihr auf dem Bett und es war noch nichts geschehen, immer wieder hatte sie es geschafft das Zusammentreffen der beiden Geschlechter hinauszuzögern. „Wie? Tromothaner Spätlese?“ murmelte Wilkens mit verträumtem Gesicht, er war gedanklich schon einige Schritte weiter.
„Rotwein?“ flötete sie mit einer honigsüßen Stimme, doch ohne eine Antwort abzuwarten füllte sie schon zwei der reich verzierten Bouquets mit der edlen Flüssigkeit. „Ich stamme aus Tromothan!“ verriet sie ihm und nahm einen kräftigen Schluck Rotwein. Sicherlich kennt ihr Rouvard Lautenschmied…“
„Lautenschmied…Mmh, den Namen habe ich schon einmal gehört!“ erwiderte Wilkens mit einem verklärten Gesichtsausdruck, er war gedanklich bereits beim Paarungsakt.
„Ihr habt hier auf der Feste einen Barden, Rouvasch heißt er. Eigentlich sollte Rouvard hier ein Zimmer bekommen, doch er fühlte sich hier nicht wohl und hat deshalb seinen Neffen hierhin geschickt. Kann es vielleicht sein, dass Euch dies nicht interessiert… ihr schaut so seltsam!“
„Ähm, nein!“ Wilkens musste sich räuspern und schaute Tressina mit einem treuen Augenaufschlag an. „Natürlich interessiert es mich…“ Sie hatte ihn unsanft aus seiner Träumerei herausgeholt und nun wusste er überhaupt nicht mehr, wovon sie eigentlich sprach.
„Ich bin ein Enkel von Rouvard Lautenschmied!“ Sie kehrte zu Wilkens zurück und reichte ihm den Weinkelch. „Prost, auf uns!“
„Ja!“ stimmte Wilkens zu und nahm einen kräftigen Schluck. „Ich muss dir was gestehen, Tressina…“ begann er mit einer besonders tiefen Stimme zu sagen. „Wenn ich dich so sehe, dann schlägt mein Herz…“
„ALARM! ALARM! ALARM! TROLLE UND MORASTWESEN GREIFEN AN! ALARM“ gellte es durch den Raum.
„Och, Nö…“ Wilkens war überhaupt nicht darauf erpicht, diese doch so richtig schöne Situation zu verlassen. Umso erstaunter war er, als er Tressina aufspringen und ihre Rüstung schlüpfen sah.
„Aber, aber…“ entfuhr es ihm.
„Wer zuerst fünf Köpfe hat, gewinnt!“ lachte Tressina mit freudiger Erregung und warf Wilkens seine Rüstungsteile zu.
„Och Nö!“ wiederholte Wilkens störrisch und schaute enttäuscht auf seinen schweren Kettenpanzer.

Rouvasch und Yerho schlichen durch den Gang, der zum Privatgemach des Drachenmeisters führten. Glücklichweise patrouillierten hier keine Wachen, dennoch waren beide bemüht keine Geräusche zu verursachen.
Endlich standen sie vor der geschlossenen Tür des Drachenmeisters.
„Und jetzt?“ fragte Yerho. „Du wirst klopfen, oder?“
„Sicher werde ich klopfen, was sollte ich denn sonst machen?“
„Du könntest sie auch einfach aufmachen, oder es zumindest versuchen!“
„Oh, Yerho. Ich bin Barde und nicht lebens…“
“ ALARM! ALARM! ALARM! TROLLE UND MORASTWESEN GREIFEN AN! ALARM“ echote es durch die Gänge. Noch bevor Rouvasch an die Tür klopfen konnte, wurde diese von innen her aufgeschlagen und ein wütender Drachenmeister stürzte an ihnen vorbei. Er war so in Rage, dass er seine beiden Gäste gar nicht bemerkte. Er rauschte die Gänge entlang und rief wütend „Schweinerei! Gerade jetzt!“
„Gehen wir!“ meinte Yerho und machte auf der Stelle kehrt. Rouvasch riskierte einen kleinen Blick in das Schlafgemach des Drachenmeisters, es waren zwar keine Anzeichen zu sehen, doch er spürte es geradezu, der Drachenmeister war bei einer reizvollen Tätigkeit gestört worden. Er war sich sicher, dass auch hier der Virus bereits zugeschlagen hatte. „Ich sage nur, Sittenverfall!“ murmelte er leise vor sich hin, dann folgte er Yerho, der dem Alarmruf ebenfalls folgte.

Takina war mit Dtk nicht weit gekommen. Immer wieder hatte der Ritter angehalten und aufgebracht nach Sir Wilkens Worten gefragt. Der Gobbo hatte daraufhin die Nachricht wiederholt, wobei er das Wort schief besonders betonte.
Der mächtige Ritter schäumte regelrecht vor Wut, wieder lief er fünf Schritte eilig weiter, nur um wieder anzuhalten und dem grünen Kobold, für ihn war es ein Kobold, erneut die Frage zu stellen.
Takina seufzte, wiederholte nochmals den Satz und war sich sicher, dass sie so niemals zum Ziel kommen würden.
„Wie lautete die Botschaft von Sir Wilkens nochmals?“
Takina hatte den Mund bereits geöffnet, da schallte es von allen Seiten. „ALARM! ALARM! ALARM! TROLLE UND MORASTWESEN GREIFEN AN! ALARM“
„Hurra!“ schrie der Gobbo voller Elan und ließ den zornigen, nun aber doch verdutzt schauenden Dtk einfach stehen. Dieser Wilkens würde ihm nicht davonrennen, auch wenn er dem Alarmruf folgen würde, nicht. Auf diese Weise würde er sogar noch aufgewärmt Wilkens gegenüber treten und seine Nase zu Brei schlagen können.

Sir Thomas atmete sichtlich auf. Wie aus dem Nichts waren von allen Seiten Wachen und Ritter erschienen, die wohl nur auf das nächste Alarmzeichen gewartet hatten. „So werden wir siegen!“ grinste er zufrieden und der Orkanführer neben ihm, grunzte zustimmend.
Das tobende Angriffsgeschrei der Trolle und Morastwesen wurde von einem unbeschreiblichen, stinkenden Geruch begleitet, der so manchem unerfahrenen Kämpfer Übelkeit bescherte. Doch die Verteidiger der Feste waren an diesem Geruch bereits gewöhnt und wichen keinen Schritt zurück, als die übermannsgroßen Trolle die Wehrmauer erklommen und mit ihren scharfen Klauen auf die Ritter und Wachen einschlugen.
Es entbrannte ein harter Kampf, blitzende Schwerter glänzten auf, Blut spritze in hohen Bögen durch die Luft, Todesschreie mischten sich mit triumphierenden Geheule und für einen Moment zweifelte Sir Thomas doch an einem Sieg.
Die Mauern waren zwar sehr gut besetzt gewesen, doch die Übermacht der Trolle in Verbindung mit den Morastwesen war erdrückend. Auch wenn auf 10 Trolle eine Wache kam, so war die Übermacht erschreckend! Warum handelte Reigam nicht, wo war der Drachenmeister. Das Wort Panik hatte Sir Thomas aus seinem Wortschatz gestrichen, doch die Situation wurde immer bedenklicher. Zumal der Zustrom an neuen, frischen Trollen und Morastwesen nicht abebben wollte. „Verdammt“ stieß er aus und schob sein Schwert tief in einem heranstürmenden Troll, der nur noch, in einem letzten Atemzug, sachte an seiner Rüstung kratzte. Seine freie Hand griff nach einer lodernden Fackel und setzte den Torso des gestorbenen Trolls in Brand. Mit einer genüsslichen Bewegung ließ er ihn von der Mauer fallen und stellte mit zufriedener Miene fest, dass weitere Trolle Feuer gefangen hatten. Trotzdem waren es viele, zu viele… wie lange würden die Kräfte seiner Männer und der Ritter noch ausreichen, wie lange nur, wie lange.
Ein harter Luftzug streifte ihn plötzlich.. Unerwartet und heftig, so heftig, dass er beinahe selbst vom Wehrgang hinunter in den brennenden Trollentross gestürzt wäre. Ihm lief ein kurzer kalter Schauer über den Rücken. Da wurde er schon von einem weiteren Luftzug beinahe umgerissen, „Woher.. zum Teufel…“ begann er zu fluchen und starrte zornesrot nach oben, direkt auf einen goldenen, geschuppten Körper. „Endlich…“, stieß er erleichtert aus. Sie griffen an, die Drachenritter angeführt vom Drachenmeister führten einen Gegenangriff durch.
Es war ein erhabender Moment für Sir Thomas zum ersten Mal unter der Armada der Drachenritterelite stehen zu dürfen. „Gebt es ihnen Männer, die Verstärkung ist gekommen!“ schrie er seinen tapfer kämpfenden Orks zu und trieb sein Schwert in weitere heranstürmende Trolle.

Die Schlacht war vorüber, hier und dort loderten noch einige Trollkörper, doch die Belegschaft der Burg machte sich eifrig daran die Verletzten zu bergen, zu versorgen und die Leichen der gefallenen Wächter zu begraben. Wie durch ein Wunder war keiner der Ritter gefallen, viele lagen zwar mit schweren Verletzungen auf Tragen, doch um diese kümmerten sich bereits die heilkundigen Ladys und Kleriker.
„Und ich sage Euch, die Trolle hatten geplant Euch Ladies moralisch zu vergiften. Nur es hatte nicht hingehauen, da ich diesen Plan durchschaut hatte! Aua… mein Kopf…“ Rouvasch hielt sich einen Kopf, der gerade von Lady Karin bandagiert wurde.
„Wenn ihr meint… seht nur, ich verbinde Eure Wunden, nette Beule übrigens, und mach Euch keinen unsittlichen Antrag, oder!“
„Aua!“ schrie der Barde vor Schmerzen laut auf, „Ja, ihr seid jetzt wieder alle normal. Ich sehe doch wie aufopfernd ihr Euch um alle Verletzten kümmert! Obwohl, es geht schon wieder was um. Etwas Neues, Lauerndes!“
„Wie kommt ihr denn darauf?“ entgegnete Karin, die ihren Kräuterverband kritisch betrachtete und noch einmal fest nachzog. „AUAAAA!!“ gellte der Schrei des Barden durch die Krankenlagerstätte, „Wie sonst erklärt ihr Euch den Zwischenfall? Wüsstet Ihr einen Grund warum Sir Wilkens Nase nun noch schiefer als schief ist?“ Darauf wusste Lady Karin auch keine Antwort, sie zuckte nur hilflos mit den Schultern, während drei Tragen weiter, ein vollständig bandagierter Gobbo sich diebisch freute.